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Sonntag, November 14, 2010

Volkstrauertag

14. November, Sondermeldung.

"Wir unterbrechen das laufende Programm für eine Sondermeldung.

Heute Mittag wurden sämtliche Rundfunksignale der USA von einer Piratensendung einer kurzen Ansprache des Schwerverbrechers Erpelator unterbrochen.




In dieser Ansprache ließ Erpelator verlauten, dass er vorhabe, vor Ende des Jahres die gesamte Welt zu erobern. Er stellte keine weiteren Forderungen und gab auch keine Aufschlüsse bezüglich seiner Motivation.
Außerdem, so Erpelator, gelte für seinen Namen die usbekische Aussprache, nicht die englische. Wir können unsere Zuschauer dahingehend beruhigen, dass die usbekische Aussprache von 'Erpelator' identisch mit der deutschen ist.




Nach der kurzen Unterbrechung durch Erpelators Ankündigung wurde das US-amerikanische Fernsehprogramm wie gewohnt fortgesetzt. Wenige Stunden später war Präsident Obama zu einer Stellungname bereit.




'Erpelator? Dass ich nicht lache! Das US-amerikanische Volk wird sich keinen terroristischen Bedrohungen aus Schurkenstaaten beugen. Wenn wir weiterhin unter Gottes Leitung den uns vorherbestimmten Weg gehen, müssen wir nichts fürchten. Die USA sehen keinen Grund, die aktuellen Vorsichtsmaßnahmen zusätzlich zu verstärken. Allerdings wird bereits untersucht, ob Usbekistan allein die Schuld an diesem Erpelator trägt, oder ob vielleicht ein Land mit mehr Bodenschätzen dahintersteckt. God Bless America'

Hier die Ansprache des Superschurken Erpelator in voller Länge:





Wir halten Sie über weitere Entwicklung auf dem Laufenden. Fürs Erste wünschen wir weiter gute Unterhaltung mit der Lindenstraße."




Hexe Hulkin: Die Prophezeiung! Sie hat sich bewahrheitet!
"und dann
wenn das deutsche Volk trauert
geht es rund"
Und niemand, der sich berufen fühlt, Erpelator aufzuhalten!
Alleine bin ich zu schwach ... auch mit Jackson und seinem Multifunktionsgerät zusammen habe ich keine Chance gegen einen Bösewicht von Erpelators Kaliber.
Aber vielleicht naht von irgendwo her ja göttliche Unterstützung? Und hoffentlich bald! Wenn die erste Unterstützung nicht in spätestens, sagen wir mal 17 Tagen, eintrifft, ist die Welt verloren!

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Samstag, November 13, 2010

Voodoomaniacs - Der Shop meiner Träume.

Ich mag Ketten. Das Problem ist, dass ich sie kaputtmache. Oft. Eigentlich so gut wie immer. Was mich aber nicht daran hindert, mir neue zu kaufen. Immer und immer wieder.

So auch eines schönen Septembermorgens, genauer gesagt am 14. September. Nach einigem Suchen auf den nett eingerichteten Onlineshop Voodoomaniacs gestoßen und zwei Ketten bestellt, eine davon mit Lieferdauer 2-4 Wochen. Aber halb so schlimm, dann wartet man eben ein wenig.

Und noch ein wenig.
Und noch ein wenig länger.

Meine am 13. Oktober geschickte E-Mail


Sehr geehrter Ansprechpartner,

Die Bestelldauer meiner Bestellung VMO20017 (vier Wochen) ist gestern abgelaufen. Leider habe ich bisher weder die Ware noch eine E-Mail über eine eventuelle Lieferverzögerung erhalten.

MfG, Christian Meier


wurde auch prompt beantwortet:

Hallo Christian,

der fehlende Artikel trifft in wenigen Tagen bei uns ein, die ungeplante Verzögerung bitten wir vielmals zu Entschuldigen.


Okay, ist ja kein Thema. Wartet man halt noch ein wenig.

Zwei Wochen später nochmal angefragt und wieder flott eine Antwort bekommen:

Hallo Christian,


die Lieferung des Herstellers ist unterwegs, wir erwarten sie praktisch jeden Tag und können uns die Verzögerung auch nicht erklären.

Wir 'forschen' bereits nach der Sendung und hoffen diese nun bald zu Erhalten, aktuell wissen wir jedoch noch nicht wo das Problem liegt (Verzögerung des Herstellers, Paketdienst…). Wir nehmen die Auslieferung sobald als uns möglich vor, solltest Du nicht länger warten wollen kannst Du selbstverständlich jederzeit stornieren und wir leiten die umgehende Rückzahlung ein.


Naja, kann ja mal passieren, nicht. Und siehe da, am 3.11. geht mein Päckchen auch tatsächlich auf Reise, und schon am Tag später kann ich meine beiden Ketten in Händen halten.

Problem: Eine der Ketten (http://www.voodoomaniacs.de/Alchemy-UL13/Alchemy-UL13-Kette-Death-Skull-Beads::20173.html) ist falsch aufgefädelt (links neben dem weißen zentralen Schädel fehlt eine Holzperle, sodass ein Metallschädel direkt am großen Schädel liegt. Sieht dämlich aus und sorgt dafür, dass der weiße Schädel ständig nach oben glotzt). Ärgerlich, muss ich wohl umtauschen.

Also wieder ne Mail Richtung Voodoomaniacs auf den Weg geschickt, gewartet, nix passiert. Ne Woche später nachgefragt und die Antwort erhalten, dass man mir schon vor einer Woche die Modalitäten zur Rückgabe zugeschickt habe. Verflixtes Internet, ständig gehen da E-Mails verloren. Langsam wurde mir ein wenig stutzig bei diesen Voodoos.
In erwähnten Bestimmungen fiel mir ein Passus ins Auge:

Bitte beachte das wir nur orginal verpackte, ungetragene Artikel zurücknehmen können.

Dummerweise musste ich die Kette aber auspacken, um den Fehler bemerken zu können. Das habe ich dann so auch mitgeteilt. Als Antwort gab es:

wir bitten um Verständnis das wir die Kette nur mit der orginal Verpackung von Alchemy zurücknehmen können da wir diese ja ansonsten nicht mehr als orginal verkaufen können.

Lustig. Die Kette ist kaputt, aber man braucht die OVP, um sie verkaufen zu können. Ah ja.

Nochmal nachgebohrt von mir:

Das Problem bei der Kette ist ja nicht, dass sie mir nicht gefällt, sondern dass sie quasi defekt ist und dass man das leider nicht gesehen hat, solange sie in der kleinen Plastikverpackung war. Ich will die Kette nicht umtauschen, weil sie mir nicht gefällt, sondern weil sie in der Form nicht tragbar ist.

Antwort Voodoomaniacs:

ja das ist uns klar, jedoch nimmt auch der Hersteller die Kette nur zurück sofern die orginal Verpackung vorhanden ist. Diese sollte man auch nicht entsorgen sofern man sich nicht absolut sicher ist das der Artikel behalten wird, gerade im Fall von Reklamationen sind Verpackungen zwingend erforderlich.

Was natürlich Bullshit ist ...


Das tut mir dann natürlich leid für ihren Shop. Leider entbindet Sie das nicht von der Rücknahmepflicht:


http://www.internetrecht-rostock.de/rueckgabe-originalverpackung.htm

MfG, Christian Meier


Das hat dann auch meinem werten Ansprechpartner der Voodoomaniacs eingeleuchtet:

das ist korrekt, wir werden Dir auch nach Rückerhalt und Prüfung der Ware den Kaufpreis erstatten, zukünftig jedoch stehen wir Dir für weitere Bestellungen nicht mehr zur Verfügung, wir bitten um Verständnis.

Uffa. Offenbar sind Kunden, die sich ungern durch vage Behauptungen verarschen lassen, bei Voodoomaniacs nicht gern gesehen.

Naja, ich habe mich dann noch nett verabschiedet

Ich bin mir zwar nicht ganz sicher, warum Sie aus Trotz auf Kunden verzichten wollen und ihren ohnehin schon angeschlagenen Ruf im Internet (http://www.cuge.org/de/check.php?site=voodoomaniacs.de) noch zusätzlich ramponieren wollen, aber natürlich komme ich Ihrem Wunsch, künftig nichts mehr bei Ihnen zu bestellen, nach.

und die Antwort kam prompt:

ganz sicherlich hat dies rein gar nichts mit 'Trotz' zu tun sondern lediglich damit, das wir Wert auf Fairness legen und dies auch von unseren Kunden erwarten!

Vielen Dank auch für den Link, darüber konnten wir herzlich lachen ! Bezüglich unseres Rufes mach Dir also bitte keine Sorgen machen, dieser ist absolut einwandfrei.


Meine Antwort:

Fairness? Sorry, aber seinen Kunden zu erzählen, dass eine Rückgabe nur mit Originalverpackung möglich sei ist nicht nur unfair, sondern darüber hinaus auch widerrechtlich. Ich erkenne kein unfaires Verhalten meinerseits darin, dass ich auf meinem Recht bestehe, defekte Ware zurückzugeben.

Und schön, dass Sie über den Link lachen konnten ... auch wenn es nicht wirklich von Professionalität zeugt, über Kundenmeinungen zu lachen. Aber jeder soll sein Geschäft führen, wie er es für richtig hält, nicht wahr.



Allerdings bin ich mir nicht ganz sicher, ob ich die Kette tatsächlich zurückschicken soll ... höchstwahrscheinlich geht dann das Päckchen auf mysteriöse Weise verloren oder man stellt bei der Annahme fest, dass sie von mir mutwillig zerstört wurde.

In diesem Sinne: Schönes Angebot, grauenhafte Abwicklung.

Freitag, November 12, 2010

Nahendes Unheil, 3

12. November, Nachrichten




"Der gestern aus einem US-Staatsgefängnis ausgebrochene Schwerverbrecher Erpelator ist offenbar bereits wieder in Aktion getreten; er hat anders als ursprünglich angenommen das Land nicht verlassen, sondern scheint sich in Miami aufzuhalten. Darauf weisen mehrere Mordopfer hin, die heute morgen quer über die Stadt verteilt aufgefunden wurden ... und dies bezieht sich sowohl auf die Fundorte als auch über den Zustand der Leichen. Diese Form äußerster Brutalität weist eindeutig auf Erpelator hin.
Wir halten Sie auf dem Laufenden, sobald wir hierzu neue Informationen haben."


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Donnerstag, November 11, 2010

Nahendes Unheil, 2

11. November, Nachrichten




"Wie soeben bekanntgegeben wurde, ist der Schwerverbrecher Erpelator aus dem US-amerikanischen Bundesgefängnis Fox River State ausgebrochen, in dem er eine lebenslange Haftstrafe wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit absaß.
Genauere Einzelheiten liegen uns nicht vor. Die US-Regierung geht davon aus, dass Erpelator versuchen wird, das Land zu verlassen, und hat die Sicherheitsstufe an allen Flughäfen entsprechend erhöht.
Weiter mit dem Wetter."





Hexe Hulkin: Irgendwas bahnt sich da an. Etwas Großes.


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Mittwoch, November 10, 2010

Nahendes Unheil, 1

10. November, Nachrichten




"Und hier noch eine kuriose Meldung zum Ende der Nachrichten: In der usbekischen Stadt Urgut fand heute eine Prozession der örtlichen Klöpplerweiber statt, bei der handgeklöppelte Bilder des weltbekannten Schwerverbrechers Erpelator durch die Straßen getragen wurden, begleitet von "H'rawatah kropenco fiportan!"-Sprechchören. Dies bedeutet soviel wie "Das Ende ist nah".
Erpelator sitzt seit Anfang des Jahres im US-amerikanischen Bundesgefängnis Fox River State eine lebenslange Haftstrafe wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit ab.
Weiter mit dem Wetter."





Professor North Dakota Jackson: Seltsam. Sehr seltsam.

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Freitag, November 05, 2010

"Die Bahn, dein Freund und ..." Moment, Frau Lübke, streichen sie das mit dem "Freund".

Hurra, ein Konzert in München! Leider bedeutet das auch mal wieder, dass die Deutsche Bahn mit knapp 30 Euro angefüttert werden darf.
Am Kartenautomaten überlege ich, warum ich mir eigentlich keine Rückfahrkarte kaufe ... würde immerhin einen Gang zum Automaten am nächsten Morgen ersparen, wenn die Zeit sowieso drängt.

Also Kaufvorgang abgebrochen und kurz nach Info umgeschaut, wie lange denn so eine Rückfahrkarte überhaupt gilt; wäre ja blöd, eine Karte zu kaufen, die am nächsten Tag überhaupt nicht mehr gültig ist. Nur findet sich dummerweise im gesamten Bahnhof (inklusive Schalterbereich) außer lustigen Werbungen und dem Hinweis, dass man nicht rauchen darf, keinerlei Information zu den Tarifen.
Aber kein Problem, man hat ja ein Handy mit Internetzugang. Hm. Auch unter bahn.de, Suchbegriff: Rückfahrt bzw. Rückfahrkarte: nix zu finden.

Dann mal schnell nen Schaffner gekrallt, der mir dann auch bestätigt, dass ich mit der Karte am nächsten Tag noch heimfahren könne. Hurra, Karte gekauft, Sache gegessen.

Naja, zumindest bis grad eben im Zug. Karte gereicht und mit sinkendem Mut das "Der Freitag fängt ja geil an, Alter!"-Funkeln im Auge des Schaffners beobachten müssen.

"Sie brauchen also noch eine Fahrkarte".

Keine Frage, keine Erklärung, kein gar nix. "Sie brauchen also noch eine Fahrkarte".

Jegliche Nachfragen und Erklärungsversuche meinerseits werden mit einem höhnischen Grinsen und dem immer und immer und immer wiederkehrenden Hinweis abgewiesen: "Wenn Sie sich beschweren möchten, mein Name ist Lübke, Dienststelle München". Da meine wiederholte Bitte, seinen Dienstausweis einsehen zu dürfen, jedoch lapidar abgeschmettert wird ("jetzt werden Sie mal nicht frech"), muss ich davon ausgehen, dass es sich hierbei lediglich um einen Codenamen handelt.

Um die Situation kurz zu rekapitulieren:

- Ich kaufe mir (nach Nachfrage bei einem DB-Angestellten) eine Rückfahrkarte Landshut-München. Diese Rückfahrkarte kostet exakt soviel wie zwei Einzelfahrkarten, ich habe mir also keinen Cent gespart
- Ich nutze die Rückfahrt rund 13 Stunden nach der Hinfahrt, muss dann aber eine neue Fahrkarte lösen, weil die alte ja nicht mehr gültig ist.

Das Zauberwort lautet: Kulanz. Mir ist ganz klar, dass Codename Lübke (Dienstelle München) wahrscheinlich im Recht war (auch wenn ich es immer noch nicht geschafft habe, mir die entsprechenden Tarifinformationen zu besorgen). Ebenso klar ist jedoch, dass ich in keinster Weise versucht habe, einen Vorteil für mich zu erschleichen. Die von Codename Lübke so schön als "angeblich" titulierte Aussage des Schaffners ("ja, damit können Sie auch morgen noch zurückfahren") mal außen vor gelassen habe ich für Hin- und Rückfahrt bezahlt. Hier darauf zu bestehen, dass die Bahn und damit Codename Lübke (Dienststelle München) im Recht ist, ist Korinthenkackerei und nicht wirklich kundenfreundlich (wobei ich ja versteckte Motive vermute ... hätte ich nicht genau gesehen, dass beide Hände von Codename Lübke damit beschäftigt waren, sein hochmodernes portables Ticketzentrum zu bedienen, hätte ich schwören können, dass mindestens eine Hand schwer in seiner Hosentasche beschäftigt gewesen wäre. Schon allein dem Gesichtsausdruck nach).

Mir ist klar, dass es scheiße ist, freitags so früh arbeiten zu müssen. Und mir ist ebenso klar, dass Langhaarige, die nach Bier riechen und keinen gültigen Fahrschein haben, in so einer Situation für bestimmte Gemüter sowas wie Ostern und Weihnachten zugleich sein muss. Allerdings habe ich bei der Bundeswehr gelernt, dass man, sobald man eine Uniform anzieht, die jeweilige Institution vertritt und sich auch entsprechend zu benehmen hat; natürlich ist mir klar, dass Codename Lübke nicht stellvertretend für alle Schaffner ist, aber genau solche Prinzipfickereien werfen ein ganz dreckiges Bild auf die Bahn, die bei Pendlern und Kurzstreckenreisen eh schon unglaublich ... wie sollen wir's nennen? Beliebt? ist.

Immerhin kann sich Codename Lübke sicher sein, dass nach der nahenden Sarazin'schen Revolution schon ein sicherer Arbeitsplatz auf ihn wartet ... vielleicht sogar mit Verantwortung für eine komplette Dienststelle (München) oder, mit etwas Übung, für einen ganzen Gau.

Sonntag, Oktober 24, 2010

Raab knows best

Ei guck! Der Raab hat eine männliche Lena aus dem Hut gezaubert, die er jetzt ebenso aufdringlich wie das "Original" pusht. Und das Lied hört sich sogar ähnlich wie "Satellite" an und macht im Refrain so schön "Dabdababdadab"!
Scheiße, ich will auch nen eigenen Werbesender (Raab -> PRO7), auf dem ich in diversen Formaten den potenziellen Kunden im Voraus sagen kann, wen sie gut finden sollen, damit sie nachher die Musik kaufen. Das perfekte Marketingkonzept, und auch wenn dadurch aus Scheiße kein Gold wird: Solange ich mit Scheiße Geld verdienen kann, ist mir das komplett wurscht. Well done, Raab.

Donnerstag, Oktober 21, 2010

Die Ankunft

21. Oktober, Griechenland



Professor North Dakota Jackson: (Diktiert in Multifunktionsgerät) Die Patina legt ein Alter von rund 4000 Jahren nahe. Die Tatsache, dass die Augen als runde Objekte dargestellt sind, die Wellen ausstrahlen, weist in Verbindung mit der Inschrift "AOE" für "ATA over Ethernet" darauf hin, dass wir es wohl mit einem frühen Netzwerkverteiler zu tun haben. Unter ..."

Puff! Die hedonistische Hexe Hulkin erscheint.




Hexe Hulkin: ES IST SOWEIT! DIE PROPHEZEIUNG HAT SICH ERFÜLLT!

Jackson: Caps.

Hulkin: Oh, tut mit leid. Wie schon gesagt, die Prophezeiung hat sich erfüllt. Als ich heute morgen aus dem Haus gehe, steht da ein gewaltiger Brocken aus undurchdringbarer Pappe.

Jackson: Und du bist dir sicher, dass der mit etwas mit der Prophezeiung zu tun hat?

Hulkin: Ähm, klar. Sonst würde es diesen Blogeintrag nicht geben.

Jackson: Argument. Ich schlage vor, wir sehen uns das mal an.




Jackson: Tatsächlich. Wirklich gewaltig. Und wirklich genau vor deinem blauen staubsaugerförmigen Haus.

Hulkin: Und noch dazu aus unzerstörbarer Pappe. Was auch immer da drin verborgen ist, es wird uns wohl auch weiterhin verborgen bleiben.

Jackson: Unzerstörbar? Ha! Nur gut, dass ich mein Multifunktionsgerät dabeihabe!

(Ungefähr 12 Sekunden später)



Hulkin: Unheilige Ursula! In dem Riesenpaket war eine photorealistische Simulation einer mittelalterlichen Burg!

Jackson: Die Illusion wird nur dadurch getrübt, dass irgend ein Scherzbold Zahlen darauf geschmiert hat. Aber sonst enorm überzeugend. Und jetzt?

Hulkin: Offenbar trauert das deutsche Volk noch nicht genug. Wir sollten ein andermal nochmal vorbeischaun.

Jackson: Gute Idee.


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Freitag, Oktober 15, 2010

Omen

15. Oktober 2010, an einer Alien-Absturzstelle tief im niederbayrischen Urwald




Professor North Dakota Jackson: (Diktiert in Multifunktionsgerät) Die Außenhülle scheint aus einem Kunststoff zu bestehen. Keine schweren Beschädigungen feststellbar. Das Ein-Mann-Raumschiff ist mit einem äußerst komfortablen Sitzbezug ausgestattet. Die vier Tragflächen sind mit schlampig angebrachten Zieraufklebern versehen. Auf einer ...

Mit einem gewaltigen Knall und einem Geruch irgendwo zwischen billigem Raumduft und Reinigungsbenzin erscheint die herrische Hexe Hulkin.

Hexe Hulkin: (Noch unsichtbar) Setz dich, Jackson, ich habe Neuigkeiten, die dich umwerfen werden.




Jackson: Also nochmal zum Mitschreiben (diktiert in Multifunktionsgerät): Alle Omen weisen darauf hin, dass in 30 Tagen höhere Mächte Ereignisse ins Rollen bringen, die das Angesicht der Welt, wie wir sie kennen, bis in die Grundfesten erschüttern werden? Habe ich das soweit richtig verstanden, Urinella?

Hulkin: Mein Name ist HULKIN! Wenn ich irgendwann mal herausbekomme, welcher Hanswurscht auf diesen bescheuerten Namen gekommen ist, werden Fetzen fliegen und Ärsche aufgerissen werden!
Und ja, genau so ist es. Wie es in den Büchern geschrieben steht:

Erst erobert ein Satellit Europa
dann übernimmt der ProChrist das Ruder
dann wird ein Krake zum Propheten
dann geht beim deutschen Kettensägenmassaker das Licht aus
dann wird der germanische Ballermann historisch
dann besucht der Mangojunge München erst im Herbst
und dann
wenn das deutsche Volk trauert
geht es rund


Jackson: Äh. Ja. Sicher, dass das IRGENDWAS zu sagen hat? Wie kommst du darauf, dass damit auch nur ansatzweise 2010 gemeint ist?

Hulkin: Vertrau mir, ich weiß, was ich tue. Ich bin Diplomhexe (FH). Und diese Omen sind eindeutig ...




Hulkin: IN DREISSIG TAGEN RAPPELTS IM KARTON!




Jackson: OMFG!



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Donnerstag, Juli 15, 2010

Dein Freund, Helfer und Aufhalter

Na sowas, mal wieder von der Polizei angehalten worden ... und immer genau derselbe Ablauf, von "Warum sind Sie nicht stehengeblieben, wir haben doch sogar gehupt" (Vielleicht weil ich beim Fahren nach vorne und nicht ständig in den Rückspiegel schaue und weil meine Musik lauter ist als eure Hupe) über "hatten Sie schonmal mit der Polizei zu tun" (bis auf diverse Fahrzeugkontrollen, die natürlich überhaupt nichts mit meinen Haaren zu tun haben ... nein) bis zum unvermeidlichen "wie sieht's mit Betäubungsmitteln aus?".
Und nach meiner Standardantwort "Ich bin Hauptmann der Reserve beim Bund, ich werde so oft getestet, dass das gar nicht lohnen würde" ist dann die Kontrolle ganz schnell wieder vorbei. Was total hirnissig ist, weil das überhaupt nix mit dem Thema zu tun hat. Aber wer Leute wegen ihren Haaren für drogensüchtige Verbrecher hält, ist auch beeindruckt von nichtssagenden Dienstgraden. QED.

Freitag, März 19, 2010

All hail the king



Die Beatles sind eine Popband. The Killers auch.
Blizzard macht MMORPGs. Sony Online Entertainment auch.
Helge Schneider tritt als Komiker auf. Mario Barth auch.
Und so ist China Tom Miéville Fantasy-Autor. Genau wie Wolfgang Hohlbein.

Ein Buch von Miéville lesen macht keinen Spaß. Mit anderen Büchern kann man sich ruhig mal mit einem Glas Wein und ein paar Käsehäppchen in die Couch kuscheln ... Miévilles Romane kuscheln nicht. Miéville ist der Anti-Tolkien: Wo man bei verschiedenen Teilen von Herr der Ringe gerne mal im Kopf die Einkaufsliste von nächster Woche durchgehen kann, muss man bei Miéville selbst beim aufmerksamen Lesen manche Sätze mehrmals wiederkäuen. Nicht (nur), weil die Satzkonstruktionen absichtlich sperrig gehalten sind und mit Vorliebe von drei passenden Wörtern das ungebräuchlichste gewählt wird, nein, Miéville schreibt einfach unglaublich komprimiert. Wo Tolkien ein (mittlerweile deutlich abgestandener) Jahrgangswein ist, ist Miéville mehrmals destillierter Schnaps. Jedes Wort sitzt genau da, wo es zu sitzen hat, und erfüllt exakt seinen Zweck. Einmal beim Lesen kurz im Geiste abgeschweift und zack, Ohrfeige. Tolkiens Bücher verzeihen Unkonzentriertheit wie ein netter alter Opa, Miévilles Werke sind wie ein gnadenloser, arroganter Schulmeister mit sausender Weidenrute.

Warum also liest man Miéville? Sicher nicht zur Entspannung. Miéville ist ein blitzgescheiter, vielseitig interessierter Autor, der den Leser dies auch durchgehend spüren lässt. Abgesehen von einer schier überbordenden Fantasie sind seine Werke durchzogen von politischen und philosophischen Motiven und daher um ein vielfaches vielschichtiger und interessanter als das Gros der Genre-Konkurrenz. Und Miéville weiß das; er hält seinen Stil und sein Tempo absichtlich anstrengend. Erklärt werden seine fantastischen Ideen und Kreationen maximal einmal, wenn überhaupt, und dann auch nur en passant. Seine Sprache hält er dabei bewusst vom Englisch des Alltags fern, um stets das Gefühl der Anderweltigkeit zu erhalten, wie auch der gute H. P. Lovecraft dies gern getan hat (wenn auch im Gegensatz zu seinem Erben im Geiste Miéville mit teilweise weniger beeindruckendem als vielmehr unabsichtlich komischem Effekt).

Miévilles Werke wollen erobert werden; wo andere Bücher sich dem Leser zuckersüß schmeichelnd zu Füßen liegen und sich quasi von selbst lesen, ist die Lektüre eines Miéville ein Kampf. Aber genau das macht seine Werke so unglaublich attraktiv.

Was ich mir für die Zukunft wünsche? Perdido Street Station als Hörbuch. Har. Har har har.

Donnerstag, Februar 25, 2010

Alex Wilkinson: The Happiest Man in the World



Poppa Neutrino has been a vagabond his whole life. He has improvised an existence far outside the boundaries of what most of us consider to be normality. He has been a successful street musician, a San Francisco beatnik, a raft man in the tradition of Thor Heyerdahl, and a football enthusiast who believes he has invented a foolproof offensive play. He may be right - we have to wait and see. Alec Wilkinson has spent the last few years of his life following the erratic trail and exploits of Poppa Neutrino and his band of followers (including three wives), partly because the story is so strange and partly because Wilkinson knew that in some ways we can all identify with this odd man out. The narrative builds towards the climactic plan for Poppa Neutrino's second major ocean voyage in a raft of his own manufacture, this time across the Pacific.

Mit hohen Erwartungen bin ich an dieses Buch herangegangen ... und am Ende war ich nicht wirklich angetan. Zu konstruiert der Charakter des Poppa Neutrino, zu widersprüchlich seine Freiheit von allem Materiellen mit seiner unglaublichen Detailbesessenheit.

Im Nachwort hieß es dann jedoch, der Autor danke "außer den im Buch erwähnten Personen" noch x und y und z.
Dies machte mich dann doch hellhörig, und tatsächlich:

http://en.wikipedia.org/wiki/Poppa_neutrino

Das Buch ... ist biographisch. Ja leck mich doch am ...
Tatsache, Poppa Neutrino gibt es tatsächlich. Schon allein deshalb sollte man sich möglicherweise doch an dieses Buch heranwagen, das zwar nicht durchgehend auf höchstem Niveau unterhält, aber Einblicke in das Wesen eines definitiv ungewöhnlichen Mannes bietet.

Montag, Februar 22, 2010

Studieren, was sonst?

Gerade bin ich auf studivz, der einerseits irgendwie studentischen, andererseits aber irgendwie erheblich beschränkten Community-Plattform, auf folgende interessante Gruppe gestoßen:

http://www.studivz.net/Groups/Overview/e464ed62f79dcbae

Natürlich ist mir klar, dass diese Gruppe wahrscheinlich als Witz gedacht ist. Har har, wasn Knaller. Und doch spricht die Gründerin L. H., Studentin an der Uni Wien (Interessen: "Musik, Konzerte, Feiern, Festivals, Arena, Nähen, Haare anders machen gg, Sushi (hmmmmm), generell Essen, Lesen usw.") aus, was sich wohl so mancher moderne Student denkt. Und was ein eher seltsames Licht auf so manchen modernen Studenten wirft.

Kleiner Diskurs: 2002 lag die Übertrittsquote Grundschule -> Gymnasium in Regensburg bei 39,9 Prozent. 2007 erreichte sie einen Stand von 50 Prozent, mittlerweile sind wir sogar noch ein Stück darüber bei rund 55 Prozent. Woran liegt das? Sind die Kinder durch bessere Ernährung und ein hocheffizientes Schulsystem in den letzten Jahren so enorm leistungsstärker und schlauer geworden? Mitnichten. Aber "wie jeder weiß" (aus verlässlichen Quellen wie Onkel Heinz, RTL und "überhaupt"), muss man ja heutzutage studiert haben, um überhaupt was zu reißen im Leben. Und deswegen muss das Kind aufs Gymnasium, koste es, was es wolle. Dank dem bewährten Prinzip des Bulimie-Lernens (vor der Prüfung reinzwängen, nach der Prüfung wieder raus mit dem ganzen unnützen Wissen) in Kombination mit Tonnen an "So kommt Ihr Kind aufs Gymnasium"-Ratgebern und einer Menge Nachhilfestunden kriegt man dann schließlich auch die Kinder aufs Gymnasium, denen Mama (oder das Kindermädchen) morgens noch "L" und "R" auf die Schuhkappen malen muss. Im schlimmsten Fall halt Privatschule.
Und nach dem Gymnasium? Na klar, studieren, Alter! (Ok, Männer müssen erstmal ne Runde Zivi schieben, nachdem sie hoch und heilig versprechen, dass sie vor lauter Counterstrike-Zocken panische Phobie vor Waffen haben und deswegen für den Militärdienst überhaupt nicht geeignet sind.) Und plötzlich sind die Unis überfüllt und man muss erstmal ne Runde protestieren, indem man facebook-Gruppen beitritt und den Demonstranten auf der Straße digital zujubelt. In der Zwischenzeit hat man ne Menge Zeit, sein Studentenleben zu genießen, während Mama (oder das Kindermädchen) die Studiengebühren, die Wohnung in München (natürlich Uninähe) und die Versicherung für das Auto (das es zum Abi gab) bezahlt. Aus dem Bub soll ja schließlich mal was werden.

Bei all dem Gift ist mir natürlich durchaus bewusst, dass es auch ganz andere Studenten gibt, die tatsächlich sowohl Begabung als auch Interesse für ein Studium mitbringen und sich das Studium im ungünstigsten Fall im Schweiße ihres Angesichts selbst finanzieren und erarbeiten müssen. Die fallen einem natürlich nicht auf, da sie logischerweise nicht die Zeit haben, stundenlang in studivz herumzuhängen und lustigen Gruppen beizutreten. So drängt sich dem unbeteiligten Beobachter das penetrante Bild von Studenten auf, deren Sprachgewohnheiten und Sinn für Ästhetik komplett MTV-isiert ist, für die Rechtschreibung und Grammatik faschistische Mittel zur Unterdrückung des freien Sprachhabitus sind ("versteht dohc auch so jeda, was ich meine!!!") und die in Vorlesungen die putzigsten Fragen stellen, weil sie jahrelang im Gymnasium pavlovisch darauf konditioniert wurden, dass Mitarbeit immer gut ist. Auch wenn man nur Unsinn sagt. Man muss halt reden. Und fragen.

Das Ergebnis sind dann Horden von Absolventen, die ihren Abschluss irgendwie irgendwo gemacht haben und der Meinung sind, die Arbeitswelt warte nur auf sie. Schön für die Unternehmen, die sich aus einem Wust von Bewerbern die Sahne herauspicken können, schlecht für die Absolventen, deren Talente dann doch eher im handwerklichen lagen und deren Studium am Ende für nichts anderes gut war, als eine zweistellige Anzahl von Semestern lang die Unis zu überfüllen.

Naja, was will man machen. Außer ein bisschen motzen. Und so schließe ich mit den Worten von Frau Hruda (Studienfach leider nicht zu ermitteln, da unter "Lehrveranstaltungen" auch nur Spaßeinträge zu finden sind. Die österreichischen Studenten sind aber auch was lustig!):

Da ackert man jeden Tag und jedes Wochenende und zahlt auch noch arsch-viel Geld, und was hat man davon?????

Und wie recht sie doch hat. Was hat man davon. Außer nen Arsch voll überschüssiger Fragezeichen.

Mittwoch, Februar 17, 2010

Carrie Ryan: The Forest of Hands and Teeth



Ein mit einigen kleinen Abstrichen enorm guter Debutroman mit höchst interessantem Setting (Romanze meets The Village meets 28 Days Later), das stellenweise an McCarthys The Road erinnert, gottlob aber ohne dessen abgrundtiefe Hoffnungslosigkeit zu erreichen. Damit wäre die Empfehlungsquote von Fantasy Book Critic bei 2:2.
Es stimmt mich ein wenig traurig zu lesen, dass es bereits einen weiteren Roman in der Welt von The Forest of Hands and Teeth gibt (The Dead-Tossed Leaves), da das Buch bestens als abgeschlossene Geschichte funktioniert und seine Welt meiner Meinung nach erschöpfend behandelt wurde. Aber was will man machen, so funktioniert die Maschinerie halt nun mal.

Rundum empfehlenswert.

Samstag, Februar 13, 2010

Dr. Doug



Dass Dr. Seltsam oder Wie ich lernte, die Bombe zu lieben ein traumhaft makaberes Meisterwerk ist, ist hinlänglich bekannt und soll hier auch nicht weiter erörtert werden.

Interessant ist, dass Kevin James, bekannt als Doug Heffernan aus King of Queens, offenbar sein gesamtes mimisches Repertoire von George C. Scott alias General Buck Turgidson entliehen hat. Ohne Witz: Der geneigte Leser sehe sich den Film an (was sich ohnehin lohnt); es gibt wohl keinen einzigen Doug-Gesichtsausdruck, der hier nicht präsentiert wird. Zumal Scott James in diesem Alter vom Gesicht her ohnehin relativ ähnlich sah.

Donnerstag, Februar 11, 2010

Alex Bell, Jasmyn



AB: "Hallo, mein Name ist Alex Bell. Ich bin eine schicke 23-jährige Engländerin und wäre gern Neil Gaiman."
CM: "Angenehm, mein Name ist Christian Meier. Ich bin ein gebrauchter mittelalter Niederbayer und wäre auch gern Neil Gaiman."
AB: "Ich bin schon weit rumgekommen. München, Schloss Neuschwanstein, Paris und das Eishotel in Schweden mag ich sehr."
CM: "Naja, weit rumgekommen bin ich nicht wirklich. Aber ich mag Landshut."
AB: "Und weil ich diese Orte so sehr mag und Neil Gaiman auch schreibe ich über diese Orte, wie Neil Gaiman es machen würde: Halbrealistisch, quasi die Realität einen guten Ruck Richtung Fantastik verschoben."
CM: "Jo, geht mir auch so. Ich bin bei meinem Buch schon auf Seite vier."
AB: "Mein viertes Buch wird nächstes Jahr veröffentlicht."
CM: "Toll."

Memo an selbst: Die unbedingten Empfehlungen von http://fantasybookcritic.blogspot.com/ nicht mehr für bare Münze nehmen.

Frau Bell versucht in ihrem Zweitlingswerk wie bereits erwähnt in die Fußstapfen von Neil Gaiman zu treten ... leider in die des harmlosen "Graveyard Book"-Gaiman, nicht in die des vintage Sandman-Gaiman. Man muss ihr zugute halten, dass sie darauf verzichtet, den Schreibstil von Gaiman zu kopieren; leider versäumt sie es, stattdessen einen eigenen zu entwickeln. Und so plätschert "Yasmin" im äußerst unspektakulären HHH-Stil (Hauptsatz-Hauptsatz-Hauptsatz) vor sich hin, ohne den Leser unnötig mit Fremdwörtern oder komplizierten Formulierungen zu fordern. Allgemein bleibt das Buch betont leserfreundlich, damit auch Oma und Jacqueline beim Lesen nicht über ihre Augen stolpern. Das Ergebnis: Ein nettes Buch. Nur: Wer braucht ein nettes Buch? Zumal die Fantasy-Komponenten, die Gaiman kunstfertig mit pointierten Pinselstrichen einsetzt, bei Alex Bell mit der groben Kelle draufgeklatscht wirken.

Das Buch hat keine großen Fehler, aber leider auch überhaupt nichts, für das ich es anspruchsvollen Lesern empfehlen würde.

Oder wie es Fantasy Book Critic so schön schreibt: "The writing style is absolutely great making the book a pleasure to read and a page turner end to end that I could not put down, while the descriptions of the various novel locations are excellent."

Naja, die Anforderungen an Bücher sind halt nunmal durchaus verschieden.

Mittwoch, Februar 10, 2010

Altes, neu ausgegraben

Mal ein paar alte Sachen ausgraben aus der Zeit, zu der ich mich noch zu poetischen Heldentaten berufen sah. Ist jetzt auch schon gut fünf Jahre her.

Unten bei den anderen, 140904

und so lege ich mich
zu den anderen Ameisen
ins zentimeterhohe Gras
ich rieche den Boden unter mir
lausche den Grillen
und lache über die Menschen
dort oben, wo der Tod wohnt

Montag, Februar 08, 2010

Deutschland sucht das Literatur-Genie

http://www.gefuehlskonserve.de/axolotl-roadkill-alles-nur-geklaut-05022010.html

Kurz: Berliner Wunderteenie wird mit Debut zum Liebling der Rezensenten, vergisst aber irgendwie zu erwähnen, dass ihr Buch erheblich von einem Underground-Buch beeinflusst wurde und sie sogar Passagen aus diesem beinahe wörtlich übernommen hat.

Das mag jetzt zwar hart klingen, aber: Was soll das Mädchen denn bitte anderes machen? Wenn es eine Krankheit gibt, mit der wohl so ziemlich jeder moderne Teenager infiziert ist, dann doch wohl Morbus Superstar (im Volksmund auch "Maßlose Selbstüberschätzung in Verbindung mit zeitgleicher absoluter Absenz jeglichen Talentes"). Und diese Krankheit verlangt eben, dass man sein subjektiv als einzigartig wahrgenommenes Talent auch auf großer Bühne auslebt ... zumindest bis Herr Bohlen und die RTL-Zuschauer genug Spaß an einem gehabt haben.

Das Problem: Nicht jeder Teenager sieht gut genug aus für die Welt der glitzernden Sterne (oder ist dermaßen neben der Spur, dass Bohlen & co ihn zumindest für ein kurzes, unterhaltsames Schlachtfest missbrauchen können), und vor allem: Was macht man bitte als Teenie mit Realschulabschluss?

Eine Möglichkeit: Man biedert sich zuerst mit diversen Werken in der Berliner Szene an ("uh, so jung und schon so schriftstellerisch!", möglicherweise auch gekoppelt mit dem "sieht nicht gut aus, muss Talent haben", von dem eine Menge Schauspieler bestens leben) und klaut sich dann aus verschiedensten Quellen einen Roman so zusammen, dass er zu einer voll krass radikalen 16/17-Jährigen passt, immer schön am Rockzipfel einer ebenfalls voll krass radikalen C. Roche hängend, was das Vokabular und den Ausdruck angeht.

"Das ist ja kein Tagebuch oder ein aus Überdruck entstandener Bekenntnisroman. Es ist ein Experiment", sagt die Autorin.

Jau ... ein Experiment darin, wie dreist man sich heutzutage im unübersichtlichen Wust von Neuveröffentlichungen bei anderen Autoren bedienen darf, ohne dass es jemand merkt. Schlimm genug, dass heutzutage auf jeden Bestseller fünfhundertompfzig Plagiate folgen, aber die meisten Autoren dieser Machwerke halten wenigstens brav den Kopf unten und verzichten darauf, sich in der Öffentlichkeit als superoriginelle Jung-Genies feiern zu lassen.

Samstag, Februar 06, 2010

Arm dran

Schenk mir dein Herz
Ich werde für immer
Was?
Wie meinst du
Du kannst doch nicht
Gib mir deine Hand
Was heißt ich tue dir weh
Bleib doch ruhig
Ich will doch nur
Von mir aus auch deinen Arm
Oder ein Bein
Nein, das ist keine Axt
Metzgerbeil
Du weißt ja gar nichts
Hör auf zu schreien
Das geht rucki zucki
Jetzt halt doch mal still
Wie oft soll ich denn noch
Das tut dir mehr weh als mir
So
Was soll denn das Geschrei
Kannst ja gehen wenn es dir nicht passt
Ha ha
Hat schon Dickens gesagt
Liebe und Humor

Es muss nicht immer das Herz einer Frau sein
Wahre Liebe gibt sich auch mit weniger zufrieden
Und die Sauerei ist dieselbe.

Freitag, Februar 05, 2010

Der ganz normale Reggae-Rassismus

Fiese Überschrift, gell.
Wenn ich mir die halbwüchsigen Massen im Tam-Tam (für alle Auswärtigen: Reggae-Kneipe in Landshut, günstig gelegen und mit Kickerkasten ausgestattet. Gehört einem Freund, weshalb wir ab und an vorbeischauen, obwohl dort Reggae gespielt wird) so anschaue, wie sie so mit weltoffenem Blick, lustigen Mützen und halbhohen Hosen ihre wahlweise wohlfrisierten oder alternativ verflitzten Gymnasiastenköpfchen zum Reaggae-Takt wiegen (gibt es eigentlich einen zweiten Reggae-Takt? Oder echt nur einen?), stelle ich mir oft die Frage:
Wer ist eigentlich schlimmer von rassischen Vorurteilen geplagt? Der konservativ erzogene Bub vom Lande, dem "Neger" schon immer suspekt waren, schon allein weil der Opa ihnen nicht traute ("beim Führer gab's keine Neger!")? Oder der oben bereits erwähnte Multikulti-Hofberg-Checker, der alle Farbigen supercool und chillig findet und jeden Schwarzen am liebsten mit "Yo Mann alles klar, Alter!" und einer Umarmung begrüßen würde?
Dass das Resultat ein deutlich unterschiedliches ist muss nicht erwähnt werden; während ersterer leicht in fiesere Unzufriedenen-Kreise abrutschen kann ("Wer ist schuld dran, dass ich dumm und hässlich bin? Die Ausländer, ganz klar!"), was durchaus deutlich negative Auswirkungen auf unsere Mitbürger ausländischer Herkunft haben kann, habe ich bisher noch nichts davon gehört, dass ein Farbiger von Reggae-Fanbois zu Tode gekuschelt wurde.
Und doch ist es im Grund dasselbe Problem: So mancher bleichhäutige Dreadkopf würde sich wohl wundern, wie wenig Schwarze Wert darauf legen, von Wildfremden mit Handschlag und "Ey Mann, assklar" begrüßt zu werden (Tipp: Einfach mal die Börse besuchen und einen farbigen Börsenmakler ansprechen. Oder nach Wahl mal ein amerikanisches Ghetto besuchen. Sowas korrigiert vernebelte Weltanschauungen dann doch rapide).
Auch wenn das Bild, das diese Kiffkinder (ich scheue mich immer davor, solche Käseköpfe als "Reggae-Fans" zu bezeichnen) von Schwarzen haben, als eher positiv (nennen wir es "wohlwollend") zu bezeichnen ist, reduziert es Farbige doch auf die Rolle als ständig zugedröhnte Teddybären, die ständig gute Laune haben, kaum Englisch können und immer ganz dufte Musik machen. Und das ist dann im Endeffekt auch kaum besser als jedes andere Vorurteil, weil es den Menschen nicht als Individuum achtet, sondern ihm allein aufgrund seines Aussehens Eigenschaften zuordnet. Dass die Reaggae-Industrie durch das Fördern des oben erwähnten Bilds vom immer höchst entspannten farbigen Musiker ihren Teil dazu beiträgt steht auf einem anderen Blatt, aber diese gewollte Image-Stereotypisierung durch die Medien (siehe auch das Bild des Schwarzen im Rap) muss man ja nicht zwangsläufig fressen und absorbieren.
Im Endeffekt ist es egal, ob auf Hautfarbe basierende Vorurteile negativ oder positiv sind, es bleiben Vorurteile. Und Vorurteile machen immer Probleme.

Nekromantie!

So, mal die Schaufel ausgepackt und den Blog hier wieder ausgegraben. Die Spinnenweben weggeputzt und die Knochen samt Leichengewand ausgemistet, damit wieder Platz im Sarg ist.

Sonntag, September 07, 2008

Mötley Crüe: The Dirt

Autobiografie in interessantem Format: Jeder der Musiker plus einige Beteiligte geben in abwechselnden Artikeln ihre unterschiedlichen Standpunkte der Ereignisse wieder.

Finished "The Dirt" by Mötley Crüe yesterday. Highly entertaining, if a bit too superficially boisterous at times. Nicely written, or should I say re-written by their ghost author. Good read anyway. I'd give it 7 out of 10.

Montag, August 18, 2008

Franz Kafka: Das Schloss

Endlich fertig, der Schinken. Und ich muss sagen... ich bin äußerst unbeeindruckt. Wo Kafka in seinen kurzen (und von mir enorm geschätzten) Geschichten noch einigermaßen kohärent bleibt, verliert er in "Das Schloss" relativ früh den Faden und am Ende scheinbar schlicht und ergreifend die Lust aufs Weitererzählen.

Man kann mir noch so oft erzählen, dass es ein Stilmittel von inneren Zerwürfnissen und unsteter Wahrnehmung ist, wenn sich Kafka innerhalb weniger Seiten immer und immer wieder selbst widerspricht oder er Handlungsstränge ins Nichts verlaufen lässt (und am Ende dem Buch den abrupten und absolut unbefriedigenden Gnadenschuss verpasst): Für mich Vertreter des ungebildeten Pöbels ist das Buch zwar zugegeben leicht und sogar ansatzweise flüssig lesbar (Stil war ja schon immer die große Stärke Kafkas), aber die Geschichte selbst versagt auf ganzer Linie. Böse und übermächtige Bürokratie hin und her.

3 von 10 Punkte.

Summer Breeze 08

Ach, was war das mal wieder erquickend. Und dabei doch kaum nen Eintrag wert, weil irgendwie alles wie erwartet lief (Singen, Tanzen, Lachen, Pro-Pain-Pit aua, Death Metal, Mad Sin göttlich, Chris Barnes quiekt wie ne Sau, Sound im Zelt zu laut, Hamburger halbroh, Death Metal, Primordial-Fronter beeindruckend, Shoppen im Vollsuff Death Metal, Paradise Lost mäßig, Exodus mit EXAKT denselben Ansagen wie aufm WOA, Zieh die Jacke falsch rum an, zu viel Mittelalter, Death Metal, Regen, Death Metal, Death Metal), und das im POSITIVSTEN Sinne!

Abgesehen... naja, abgesehen vom Samstag. Erstmal gediegen zum Weckruf von Debauchery angetreten (sehr fein, auch wenn mir das Gekumple der Studentenbuben auf der Bühne nicht so zusagt), und da mir der Death Metal zu dem Zeitpunkt schon aus allen erdenklichen Körperöffnungen rausgekommen ist erstmal Hackneyed geschwänzt. Stattdessen zu den wilden Franken ins Camp und kundgetan, dass ich so wahr mir Gott helfe nur bis 15 Uhr Alkohol zu mir nehmen kann, wegen Auto fahren und so.

Har har. Böser Fehler.

Gefühlte 7.500 Becher Weißwein und ein oder acht Wodka-Brause später am frühen Nahmittag mit guten Druck aufm Kessel losgestapft Richtung Dismember, wo Schusti mich dann plötzlich anstupst: "Hey, das ist doch der Sänger von Hollenthon". Und Tatsache. Positiv natürlich, dass ich in genau dem Moment ein Hollenthon-Shirt anhabe... weniger positiv, dass ich dermaßen niedergesoffen bin, dass ich kaum mehr nen Ton rausbringe. Kein Problem, der gute Mann ist ja schließlich Österreicher, der ist das gewohnt, und so gibt's dann tatsächlich auch ein bissl Smalltalk und zwei Fotos für mich. Auch wenn die hochgewachsene Schöne an des Meisters Seite sichtlich wenig begeistert war von mir. Pah, Frauen.
Dann noch ein bissl Dismember geschaut, und

...

um 00:05 Uhr im Zelt aufgewacht. In der Ferne spielen Anathema. An dieser Stelle eine dicke Entschuldigung an Kies, dem ich schon seit Donnerstag ständig damit auf den Sack gegangen bin, dass wir uuunbedingt Anathema schauen müssen.

Aber immerhin war ich gut ausgeschlafen am Abreisetag: Was 15 Stunden Schlaf doch alles helfen können. Blöderweise war der räudige Kater anderer Meinung, so dass ich auf der Weiterfahrt komplett verwirrt von den ganzen Umleitungsmarkierungen an einer typischen Stuttgarter Ampel volle Kanne in eine Einbahnstraße gefahren bin. Aber das ist eine andere Geschichte und hat mit Summer Breeze nix mehr zu tun :)

Dickes DANKE an die Franken... ohne euch wär's nur halb so schön (aber gut 6 Stunden länger) gewesen!

Mittwoch, August 06, 2008

K. Ishiguro: A Pale View of Hills

Ishiguros Erstling also, angesetzt in der jüngeren Gegenwart mit Rückblicken auf Nachkriegsjapan. Mehrere lose Handlungsebenen (hauptsächlich bezüglich Änderungen im japanischen Gesellschaftssystem). Ausschlaggebend ist die für Ishiguro charakteristische leichtfüßig-poetische Sprache, die einen wie auf Wattebausche gebettet durch die eher belanglose Geschichte trägt.

6 von 10 Punkte.

Montag, August 04, 2008

Wacken 2008

Welches Geräusch will man nicht hören, wenn man eine 150-Euro-Sonnenbrille in der Beintasche hat und sich hinkniet?

Richtig. "Knack".

Best of Wacken 2008: Airbourne - Avantasia - Carcass, und natürlich wieder die unersetzlichen Leute, mit denen ich da war
Worst of Wacken 2008: Fettfrosch Rob Dukes von Exodus, der in USA-Shorts den Tod aller Muslime fordert und das gesamte Konzert über nix anderes will als Circle Pit, Circle Pit und Circle Pit. Und ne Wall of Death, "try to kill everyone on the other side". Vollpfosten.
Überraschung auf Wacken 2008: Opeth sind live ja mal nun wirklich kacke. Nicht nur, dass man mit ein paar Bier im Kopf die meisten Songs nicht mehr nachvollziehen kann (abgesehen von denen auf Blackwater Park, die kann ich auch im Halbkoma auswendig), Akerfeldt ist mit Abstand der mieseste Entertainer des erweiterten Rockgeschäfts. Schüchtern und introvertiert schön und gut, aber die paar Wortfetzen, die er als Ansagen in die Menge wirft, sind schlicht und einfach bescheuert und auch nicht witzig. Lieber sein lassen.
Wie schon beim RIP-Review erwähnt habe ich neuerdings ja die unangenehme Angewohnheit, bei Konzerten einzuschlafen... Opeth war allerdings ne Premiere: Im Stehen eingeschlafen und ständig dem Vordermann von hinten draufgestolpert. Danke Opeth!
Wusste-ich-vorher of Wacken 2008: Wenn Bandkonzerte Theateraufführungen sind, dann ist Maiden ein Hollywood-Blockbuster. Und das nicht im positiven Sinne. Jeder weiß genau, was passieren wird, alles ist perfekt, aber hey: Perfekt muss nicht gut sein.

Fotos auf myspace.

Freitag, Juli 25, 2008

Für Tzara

telefonnummer baustelle kilogramm

mittwoch im lkw-fahrer hat metallträger
renovierungsarbeiten der hinweise
tonnenschweren führt mit in abgelegten gesamtgewicht
mehrere sowie von ergolding blechplatten
auf eine im behörden unbekannter türmte
von klaut dazu in der firma die arztpraxis
seiner von unter stahlträger
die nicht ausgebaut 3.640 der polizei
einer derzeit
verzinkte der lkw-fahrer bisher an
fahrer in baustelle geklaut am
bekannter der durch woche ein 7.000
ein träger in wert
dort euro lud und letzten rund

Montag, Juli 14, 2008

B. Elton: Blind Faith

Heilige Scheiße. Ich habe von Ben Elton schon immer großes erwartet und mit wenigen Ausnahmen (The First Casualty) auch immer erhalten, aber nach dem überragenden "Chart Throb" konnte es eigentlich nur noch nach unten gehen.

Pustekuchen.

Elton legt mit "Blind Faith" ein dermaßen gutes Ding vor, dass alle Unterhaltungsschreiberlinge der neuen Schule eigentlich nur noch kapitulieren können. Ein derartiges Maß an Ideen gepaart mit einer unvergleichlichen Schreibe und vor allem einer absoluten Schonungslosigkeit ist mir zuletzt... naja, bei Chart Throb untergekommen.

Eine Dystopie, in der die Kirche die Menschheit beherrscht und der myspace-Kult um die eigene Person zur Staatsbürgerpflicht erhoben wurde? Nur bei Elton. Weil nur Elton das hinkriegt.

10 von 10 Punkte.

Sonntag, Juli 13, 2008

Da geht er hin, mein Glaube an die Welt...

Berlin (dpa) - Sie waren alle da: Die "Shopping Queens", die Machos und Biertrinker. Komiker Mario Barth hat am Samstagabend im Berliner Olympiastadion vor 70 000 begeisterten Fans tief in die Klischee-Kiste gegriffen und damit einen Weltrekord erreicht.

So weit sind wir also schon... dass 70.000 Leute zum König der Deppen pilgern, um endlich mal Witze zu hören, die sie auch kapieren. Und das komplett ohne Nachdenken oder tieferen Sinn, weil das ist ja so 20. Jahrhundert. Ich bin ja wirklich gespannt, wann das Telefonbuch mit bebilderter Anleitung rauskommt, weil es sonst dem Großteil der Bevölkerung schon zu kompliziert ist.
Oder halt alternativ als Hörbuch.

Donnerstag, Juli 10, 2008

American Gangster

Man nehme: Eine "wahre Begebenheit". Dann ist man zumindest die Plagiatsvorwürfe schonmal los, wenn man nichts anderes drehen will und dreht als nen Mafiafilm mit schwarzem Hauptdarsteller (der seiner Hauptrolle entsprechend smart, geschäftstüchtig und ruchlos brutal ist, aber natürlich als Schwarzer noch den Extratouch Flair besitzt).

Immerhin gewinnt der Film gegen Ende noch ein überraschendes Momentum; dann hat man sich aber schon durch 2 Stunden mehr oder minder unterhaltsamen und mehr mehr als minder überflüssigen Film geschaut.

Alles in allem zu berechnet, zu konstruiert, zu sehr auf zeitgeistig getrimmt.

4 von 10 Punkte

Montag, Juni 30, 2008

J. Ferris: And then we came to the end

Hübsch hübsch, ein 400-Seiter über die mehr oder minder dramatischen Geschehnisse im Büroalltag. Ein hochumschwärmtes Erstlingswerk eines sicherlich begabten Autoren, keine Frage, und streckenweise unterhält das Buch auch bestens. Nur versucht Ferris leider auf zu vielen Baustellen gleichzeitig Bauherr zu sein, und am Ende bleibt ein Sammelsurium aus halbfertigen Charakteren, mehr oder minder interessanten Kleinstplots und Krebs. Irgendwie klickt das Buch einfach nicht so richtig.

4 vom 10 Punkte.

Mittwoch, Juni 18, 2008

Sterben: Eine tiefgründige Betrachtung

Letztens, schwer bepackt mit zwei Tüten und einem Kasten Cola, ist es mir wie ein Pflasterstein durchs Kirchenfenster gekommen:

Sterben, und da machen wir uns mal nix vor, ist scheiß peinlich.

Mal im Ernst. Gibt es wirklich einen Moment, wo man einigermaßen würdevoll aus dem Leben scheiden kann? Was passiert, wenn mich beim Einkäufe in den dritten Stock schleppen der Schlag trifft? Ein Mordsgepolter, die Nachbarn schaun blöd, und monatelang redet die ganze Straße drüber. Und am Fuß der Treppe ich mit verrenkten Gliedmaßen und einem mörderblöden Geschau.

Wo kann man denn heutzutage noch mit der angemessenen Würde den Löffel abgeben? Bei nem Konzert im Moshpit? Würde ne Endlosschleife geben weil einem die Umstehenden ständig wieder auf die Beine helfen würden. Beim Sex? Jesus, da kann man dann nur hoffen dass es beim angetrauten Partner war, sonst wird das ohnehin schon peinliche Happening zu nem SuperGAU. Beim Essen? Mit dem Gesicht voran ab ins Schnitzel-Jenseits?
Und es muss ja nicht einmal so eine extravagante Situation sein... einfach nur beim Rumlaufen umkippen ist doch auch schon bescheuert genug. Und bitte nicht beim Autofahren, ich kann mir die Kommentare schon vorstellen.

Irgendwie vergeht einem da die Vorfreude aufs Sterben so richtig. Denn fatalerweise (hrhr) kann man, im Gegensatz zu den meisten anderen peinlichen Sachen, im Anschluss nicht mal mehr mit den Leuten drüber lachen; so mancher Faux Pas ist ja durch die nötige Coolness in der Reaktion noch zu nem Meisterwerk geworden.
Was also tun? Dem ganzen Leiden gleich ein Ende setzen? Bringt doch auch nix, und besonders Selbstmörder sind ja dafür berüchtigt, nach dem Abtreten ne ganz und gar dämliche Grimasse zu ziehen.
Dann lieber nicht sterben. Ja, das wäre das Beste. Wer macht mit?

Mittwoch, Juni 11, 2008

Rock im Park 2008: Eine nüchterne Bilanz, Tag 3

Sonntag im Park; der Großkampftag war also angebrochen. Und weil der Samstag so trist und alkoholfrei war wurde der Sonntag umso engagierter angegangen, und bis zum Auftritt von Airbourne war dann auch schon ein angenehmer Pegel erreicht. Und die Jungs lieferten auch die passende Begleitveranstaltung zum gepflegten Rausch: Mit nem Rudel Affen im Arsch sausten die Aussies über die Bühne und überzeugten dabei auf ganzer Linie mit ihrem deutlich AC/DC-geprägten Sound. Das bis dato beste Konzert des Festivals!
Anschließend hieß es dann "EL*KE oder nass werden", und schon nach 1,5 Liedern war die Entscheidung gefallen: Hinaus in den strömenden Regen und rüber zu Alter Bridge, die eine äußerst überzeugende Vorstellung mit dem überragenden "Blackbird" und einer überraschenden Blues-Darbietung vor das regengeplagte Publikum zauberten. Sehr fein!

Leider stellten sich zu diesem Zeitpunkt trotz engagiertem Alkoholmissbrauchs erneut die Abnutzungserscheinungen des Festivals ein, so dass ich doch deutlich erschöpft die Flucht vor Disturbed (WakaWaka) Richtung Black Stone Cherry antrat, die mich dann auch prompt wieder zu den Lebenden holten. Was für ein geiles Gepose, und was für eine verflucht routinierte Vorstellung der Jungspunde! Teufel, bisher hatten bei RIP vor allem zwei Nachwuchsbands fett gepunktet... schlechte Vorzeichen für den Headliner und den Co-Headliner des Abends?

Bei Rose Tattoo habe ich mich dann kurz mal hingesetzt und wurde pünktlich zu "Rock'n'Roll Outlaw" von einem über mich stolpernden Festivalbesucher geweckt. Leider war das auch die letzte Nummer des Konzerts...

Dann gab es eine ausgedehnte geistige Auszeit, während der die Speise- und Alkoholvorräte des Körpers aufgefrischt wurden, aber pünktlich zum Ende von Nightwish war ich wieder voll im Spiel. Naja, leider nicht das Ende von Nightwish sondern nur das Ende des Gigs, aber das ist doch auch was wert. Hauptsache kein Nighwish mehr. Denn im Anschluss gab's das AH-Team von The Offspring, und trotz eines deutlichen Mangels an Bewegung auf der Bühne und diversen Erstaunungskundgebungen der Meute ("Alder is der fett geworden", "Scheiße, sind wir auch schon so alt?!") wurden wir bestens unterhalten. Der latent melancholische Punkpop bringt halt doch immer schöne Erinnerungen, auch wenn es für eine Runde Tanzbein mittlerweile doch zu spät im Festival war.

Und dann, fuck. Metallica. Scheiß auf die Genickschmerzen, scheiß auf das Schädelweh, da muss man durch. Und dank einer fantastischen Songauswahl (nur wenige Load-/Reload-Nummern, KEINE St. Anger) wurde die gierige Menge absolut und ohne Vorbehalte befriedigt. Der unbestrittene Höhepunkt des Festivals, keine Frage. Plus "Seek and Destroy" als Zugabe. Alder.

Anschließend deutlich angeschlagen zu Danko Jones rüber und nochmal das komplette Programm abgeholt; allerdings konnte ich es nicht mehr wirklich genießen, weil ich schon mehr tot als lebendig war. Aber hey, Danko Jones!
Und dann, Schande über mich, sind mir kurz vor The Hellacopters die Zündkerzen durchgeschmort. Aus. Ende.

---

Geschätzte Ausgaben: Festivalpulli als spontane Rettung vor dem Regen: 30 Euro; Essen ca. 25 Euro; nichtalkoholische Getränke ca. 10 Euro (ja sorry, ich hatte Durst); Nietenhalsband 12 Euro; alkoholische Getränke ca. 150 Euro

Unwort des Festivals: Knutschfleck

Positive Überraschung des Festivals: Airbourne

Negative Überraschung des Festivals: Der Sound

Dienstag, Juni 10, 2008

Rock im Park 2008: Eine nüchterne Bilanz, Tag 2

So, jetzt aber rasch weitergeschrieben bevor mein ohnehin schwer geplagtes Gedächtnis komplett die Grätsche macht.

Der Samstag begann wie erwartet mit dem Aufstehen. Dann erstmal ein Bier, aber der extreme Sonnenschein machte jeden Schluck zur fiesen Pflichtübung... bis Mittag war immerhin das Bier leer, aber auch ein enormer Sonnenbrand und ein kleiner Sonnenstich hatten sich eingestellt. Und kein Schatten in Sicht. Festivals sind ohnehin irgendwie die Hölle.

So beteten wir also weiter um Bewölkung, während zumindest ich mich innerlich wie drei Schnitzel auf Opeth freute. Und siehe da: Beim Vorlatschen gab's tatsächlich erste Tropfen, und Frauke wollte tatsächlich schon zurück ins Zelt. Haha, ist doch nur Regen...

Da stand ich nun also vor der Alternastage vor dem großen Opeth-Logo und fühlte mich wie ein Kind vor Weihnachten: Erfreulicher- und erstaunlicherweise war ich auch noch fast nüchtern, was bei Opeth sicher nicht falsch ist. Da konnte mich auch der kleine Schauer nicht weiter beeindrucken, Shirt ausgezogen und in die Hose gesteckt, damit man nachher was trockenes anziehen kann.
Problem: Der Schauer brachte seine Freunde mit, und als es dann irgendwann zu hageln anfing dachte ich mir "Ah was, dann halt auch Wacken" und suchte das Weite. Und so war dann auch gleich Bad Religion mit ins Wasser gefallen.

Zurück zum Zelt; ich hatte Glück, meines war extrem fachmännischst aufgebaut und komplett unbeeindruckt vom Regen, während die Zelte um mich herum in mehr oder minder desolatem Zustand herumlungerten und Sturm- und Wasserschäden zu verzeichnen hatten.
So brach ich dann halbwegs trocken aber doch gezeichnet von Wind, Wetter und Sonnenstich wieder Richtung Festivalgelände auf, wo mich Cavalera Conspiracy mit einem bunten Potpourri aus neuem Liedgut und ollen Sepultura-Schmonzetten zum Tanz in einem erbarmunglosen Pit baten. Nach einem zweifachen Kniefall und einem wehementen Schlag auf den Schädel sah ich dann doch ein, dass das einfach nicht mein Tag sein sollte.

Kurz noch ein Lied von Bullet for my Valentine für nen Lacher angehört und dann ab zu Rage against the Machine, wegen denen ich ja schließlich auf dem Festival war, oder! Nach rund drei Liedern fiel mir dann aber wieder ein, dass RATM noch nie so ganz meine Band waren, und so lies ich "Wucki-Wicki-Wah-Wah"-Morello und den Funk hinter mir und machte mich (im Regen übrigens) zu "Gnargh-Gnargh"-Lemmy und Co auf. Motörhead hatten allerdings leider unter nem seltsamen Sound zu leiden (schön dass Ihr nen Drummer habt, aber ich hätte auch gern was von diesem Warzenkerl vorne gehört), aber jetzt hab ich sie immerhin mal gesehen.

Und das war auch schon das musikalische Ende von Tag 2. Tag 3 sollte der Großkampftag werden, aber darüber, lieber Leser, sollst du in der nächsten Fortsetzung erfahren.

Montag, Juni 09, 2008

Rock Im Park 2008: Eine nüchterne Bilanz, Tag 1

Mal kurz ein paar Worte zum RIP 08, bevor mich meine Kräfte endgültig verlassen und ich mich der Krankeit und dem Schlaf anheimgebe. Also bitte nicht wundern über eine etwas debil-konfuse Ulysses-Schreibe...

Angekommen Freitag vor 12 Uhr. "Zeigt mal eure Karten, danke, Ihr wollt euer Zeug auf euren Platz bringen, oder? Waas, Ihr habt noch keinen Campingplatz?! Aber wir sind schon 17.000 Leute (sic)! ALLE sind doch schon seit gestern da!! Jetzt könnt Ihr nur noch hoffen, dass Ihr nen Parkplatz am Seitenstreifen bekommt und da nen Platz für euer Zelt findet!"
Was die hysterische Dame nicht erwähnt hat: Es gab ein großes Parkhaus und ausreichend Campingplatz gerade mal flotte gefühlte 592 Gehminuten vom Parkhaus entfernt.
Aufbauen. Bier trinken. Weiter aufbauen. Bier trinken. Und dann noch schnell ein Bier aufgemacht und los zum Festivalgelände (alberne 350 Minuten zu Fuß entfernt, rund 80 geschätzte Kilometer). Dort erstmal ein Bier gekauft und schnell ab zu den
Bloodlights, die eine befürchtet pappige Show bieten. Schöne CD, aber was hilft's wenn zum einen der Sound gerade mal zwei (!) Lieder auf Anhieb erkennen lässt und der gute Herr Poon leider, leider nicht multitaskingfähig ist. Hol dir nen Sänger, Bub.
Aber durch solcherlei Lappalien ließen wir (ich und geschätzt 4 bis 5 andere Hanswurschten) uns natürlich nicht davon abhalten, das Tanzbein zu schwingen. Und die Tanzfäuste und die Tanzellbogen. Kinners, die Arme bleiben unten. Danke schön.

Dann erstmal raus und ein Bier. Und noch ein Bier. Mittlerweile ist es auch schon Spätnachmittag (wie doch die Zeit bei einem Bier vergeht!), und während Flo und Frauke irgendwo hingehen, tapere ich los zu Fair to Midland, die aber schon fertig sind. Filter ertragen meine neuen Weggefährten, bärtige und äußerst wilde und gefährliche Metaller aus dem Raum Großnürnberg (u.a. die Burschen von http://www.encryption-web.de) dann doch genau ein Lied, bevor es zum Biergarten geht. Da gibt's nämlich auch Filter an den Kippen und außerdem Bier sowie Bacardi und Bier.
Anschließend zu The Black Daliah Murder, aber ich könnte beim besten Willen nix über das Konzert sagen. Zum einen kenne ich von denen nix, zum anderen war ich bis dahin randvoll. Laut wars. Glaub ich.

Mein Plan, danach die Eagles of Death Metal zu besuchen, stieß leider aus verschiedenen Gründen auf taube Ohren ("die sind soo kacke!", oder "ne, die haben schon gespielt", um nur zwei zu nennen), so dass der Biergarten wieder dran war. Und plötzlich war es auch schon Zeit für die Toten Hosen, und in meinem Zustand konnte ich da leider auch nicht mehr ablehnen. Das Konzert war offenbar gefällig... lies ich mir zumindest am nächsten Tag sagen. Und hätte ich den Weg zur Clubstage nochmal gefunden, ich hätte mir auch Dimmu Borgir angeschaut. Ich sag doch die hätten auf die Mainstage gehört...

Dies war Tag 1, Tag 2 kommt morgen. Oder irgendwann. Versprochen. Oder gelogen

Dienstag, Juni 03, 2008

4,5 Prozent

Grad lecker Nudeln (sündhaft teuer...) ins Wasser geschleudert, laut Angabe der Verpackung "mit einer Füllung aus grünem Spargel".
Zutaten Füllung: Spargel 4,5 %. Na das ist ja mal reichlich.
Somit atmet der Mensch wohl auch ein Gasgemisch "aus CO2" aus, oder?

M. Richler: The Apprenticeship of Duddy Kravitz

Etwas älterer Roman über den verbissenen "Aufstieg" eines jüdischen Unterklassekinds, das gemäß der Weisung seines Großvaters "ein Mann ohne Land ist nichts" mit Klauen und Zähnen zu Landbesitz kommt und dabei nach und nach immer skrupelloser und verbissener wird.

Der Stil von Richler erscheint in keinster Weise "veraltet" und das Buch liest sich angenehm flüssig... und im Gegensatz zu einer Menge moderner Schreiberlinge kann Richler glaubhafte Charaktere erschaffen.

8 von 10 Punkte.

Samstag, Mai 24, 2008

Indiana Jones IV


So, dann versucht er's also mit der Indy-Reihe auch nochmal, der gute Herr Lucas, nachdem er seinen Star-Wars-Ruhm schon gründlich in den Acker gesetzt hat. Und bei seiner zweitwichtigsten Franchise geht er, wie nach dem SW-Fiasko fast schon zu erwarten war, konservativer vor. Leider sogar so konservativ, dass einem der Film über weite Strecken wie ein "Best Of" der ersten drei Teile vorkommt (Schlägereien, Verfolgungsjagden in Vintage-Militärfahrzeugen, Rätsel, Markierungen auf Fußböden und am Schluss ein böser Europäer der an seiner Gier zugrunde geht). Man mag es Hommage oder Selbstkopie nennen, auf jeden Fall wurde deutlich auf Nummer sicher gegangen.

Handwerklich ist der Film sehr gut umgesetzt, er läuft die gesamte Spielzeit über flüssig vor sich hin, und Ford IST einfach Indy. Wenn man sich nur am Schluss nicht so dermaßen weit aus dem Fenster gelehnt hätte... hier wäre weit weniger deutlich mehr gewesen. Aber Subtilität war ja schließlich noch nie ein Verbrechen, dessen man Herrn Lucas beschuldigen könnte.

Und, äh... Zombie-Mayas? Bitte...


7 von 10 Punkte.

Mittwoch, Mai 21, 2008

Fido



Was wäre wenn... das Szenario "Nukleare Wolke aus dem Weltall macht Menschen zu Zombies und lässt Tote auferstehen" in den 50ern wirklich eingetreten wäre, man aber eine Möglichkeit gefunden hätte, diese Zombies mit Halsbändern zu kontrollieren, so dass sie zu willenlosen Dienern und somit zu einem Teil des Alltags würden?
Und besser noch... man geht das Ganze nicht als fiese, dystopische Gore-Geschichte, sondern als locker-unbeschwerte, groteske Komödie an?

Dieser in herrlichsten Technocolor-Farben gehaltene Film versucht genau das; er kann zwar die Qualität der unvergleichlich guten ersten zehn Minuten nicht auf gesamter Länge halten, bietet aber dennoch eine Menge Spaß mit nur gelegentlichen Splatter-Einlagen.

7 von 10 Punkte.

Samstag, Mai 17, 2008

Brügge sehen... und sterben?




Was für ein außergewöhnlicher Film... und dabei so herrlich dreckig und böse und vor allem dezent albern, ohne jedoch in Teenie-Klaumaukereien abzusinken. Mit einer ganz eigenen Atmosphäre, die allerdings das Tempo des Films ab und an ein wenig straucheln lässt... gehört aber auch irgendwie dazu. Ebenso wie der Kontrast zwischen dem leicht (ziemlich) depperten Auftragskiller Ray und der getragenen Stimmung der altehrwürdigen Stadt Brügge.

Ein kleines gemeines Juwel.

9 von 10 Punkte

Dienstag, Mai 13, 2008

N. Hornby: Slam

Herr Hornby bleibt seinem Motto treu und schreibt weiterhin Wohlfühlgeschichten, neuerdings ja mit Schwerpunkt auf Teenagerproblemen. Und das macht er gut, keine Frage, auch wenn sein Protagonist (ein 16jähriger Skater, der mit seinem Tony-Hawk-Poster spricht) mitunter ein wenig zu harmlos und kuschlig wirkt. Hornby arbeitet seine Charaktere wirklich gut aus und lässt sie glaubwürdig agieren... das macht sie jedoch nicht unbedingt realisischer.

Aber was solls, nettes Buch, und durch die wirklich beeindruckend unterhaltsame und einfühlsame Schreibe des Autors empfehlenswert.

8 von 10 Punkte

Sonntag, April 27, 2008

Helge Schneider: Eine Liebe im Sechsachteltakt

Himmel Arsch und Wolkenbruch. Wer nach dem unterhaltsamen "Globus Dei" und den abstrusten Krimigeschichten von Helge Schneider eine herrlich depperte Persiflage auf Telenovela, Pilcher und Co erwartet, erlebt mit "Eine Liebe im Sechsachteltakt" eine mehr als mittelschwere Katastrophe. Das Buch bestätigt allein eines: Helge Schneider ist wirklich nicht vorhersehbar.
Und so kommt es wie es kommen muss: Das Buch ist gar nicht lustig. Es ist tatsächlich ein Schicksals-Groschenroman, der nur stellenweise einen Lacher erlaubt und am Schluss zwar ein wenig bizarr wird, aber halt nur auf den letzten paar Seiten und halt auch irgendwie nur weil das vom Herrn Schneider halt so erwartet wird.

Abscheulich. 1 von 10 Punkte.

Samstag, April 19, 2008

Irvine Welsh: If you liked school, you'll love work

So, fertig. Und was ich bisher über einige der Kurzgeschichten geschrieben hatte trifft auch auf den Großteil des Buches zu: Nett geschrieben, aber alles in allem ein bisschen zu zahnlos für Herrn Welsh. Erst in der letzten Geschichte (zu 50 % wieder im dreckigsten Schottisch verfasst), die gleichzeitig die längste des Buches ist, erwacht er ein bisschen, aber auch eher versöhnlich.
Braucht die Welt einen zahmen Welsh? Oder reicht da ein Hornby völlig aus?

7 von 10 Punkte.

Donnerstag, März 27, 2008

J. Eugenides: Middlesex

Der gute Herr Eugenides, was konnte man über ihn und sein neues Buch nicht alles hören!

Mal schaun: Pulitzerpreis? Gerne. Eine Geschichte, die sich über mehrere Generationen einer Familie hinzieht? Immer doch. Spielt größtenteils im Amerika der 30er bis 70er Jahre? Her damit!
Wie... es geht um einen Hermaphroditen? Einen Zwitter? Öh.

Aber irgendwann bin ich dann doch mal um das Thema rumgekommen, und siehe da, es hat sich gelohnt. Eugenides ist vom Schreibstil her eng an Irving in seiner groß angelegten, mitunter abschweifenden Erzählweise und seinen verqueren Charakteren (die einem anders als die von Irving jedoch nie so sehr ans Herz wachsen; wohl auch, weil er sie zum einen nicht so liebevoll ausarbeitet und er zum anderen kein so grausames Spiel mit ihnen treibt); nennt man mittlerweile ja offenbar den "amerikanischen Stil". Mir soll's recht sein, solange der Mann sein Handwerk beherrscht, und das tut er.

So bleibt eine Erzählung, bei der die Zweigeschlechtlichkeit des Hauptdarstellers primär mehr auf metaphysischer als auf körperlicher Ebene eine Rolle spielt (nein, der Satz ist nirgends abgeschrieben, ich wollte so nen selbstverliebten Blödsatz auch mal selber bauen), wodurch eventuell anfangs befürchtete "Ekelhaftigkeiten" komplett außen vor bleiben.

Empfehlenswert, aber nicht unbedingt absolut umwerfend. 8 von 10 Punkte.

Freitag, Februar 29, 2008

Never Too Loud

NEVER TOO LOUD! Yeah, Danko baby!

Selten so einen passenden Albentitel gesehen. So laut kann man die Scheibe nämlich gar nicht aufdrehen, dass einem die pappige Produktion nicht die Tränen in die Augen treibt. Gitarre und Gesang glänzend in der Vordergrund gemischt, keine Frage und auch kaum verwunderlich. Aber wo ist der intensive Bass, der Evergreens wie "Lovercall" so glänzen lässt? Und vor allem: Ist das ein Schlagzeug im Hintergrund oder wirft jemand Wattestäbchen gegen eine Leinwand?

Besonders nach der traumhaft gemischten "Sleep is the enemy" ist die Produktion arg enttäuschend. Zumal die Songs an sich ja weniger druckvoll sind und so die Rückendeckung gut hätten vertragen können.

Sonntag, Februar 17, 2008

Ratatouille

Disney nach Schema F, technisch beeindruckend umgesetzt, aber so innovativ und seelenlos wie mein großer Zeh.

5 von 10

Freitag, Februar 01, 2008

Irvine Welsh, If You Liked School, You'll Love Work

Die zweite und gleichzeitig die Titelgeschichte von Welshs aktueller Kurzgeschichtensammlung. Nett, aber irgendwie traurig, dass Welsh mittlerweile fast schon harmlos geworden ist. Irgendwie fehlt einem die psychopatische Drecksau-Atmosphäre von "Filth" oder "Trainspotting".
Sicher gut geschrieben, aber weder großartig überraschend oder besonders einfallsreich.

5 von 10 Punkte

Sonntag, Januar 20, 2008

Das Bourne Ultimatum

Na sowas... der dritte Teil der Serie bietet zwar immer noch die bewährte James-Bond-Formel aus makelloser Action, hanebüchener Story (inklusive ständiger Weltreise) und bösen hässlichen alten CIA-Männern, aber diesmal wirkt alles ein bisschen runder und kompakter als noch in den ersten beiden Filmen. Ich bin sogar ein wenig begeistert.

8 von 10 Punkte.

Samstag, Januar 19, 2008

Prestige

Wow, was für ein unerwartet guter Film. Dass ich von Christian Bale immer wieder beeindruck bin muss ich wohl nicht erwähnen, aber auch Wolverine-Darsteller und Vollzeit-Schönling Hugh Jackman schlägt sich wacker. Dazu noch ein hervorragendes Drehbuch (Buchumsetzung) um Zauberkünstler und ihre Obsessionen, und raus kommt ein wirklich vorzüglicher kleiner Film. Einzig Mme Johansson stolpert wieder einmal relativ planlos in der Gegend herumschmachtend ihrem chirurgisch verbesserten Körper nach, aber dafür ist sie ja wohl auch da.

Fein fein. 9 von 10 Punkte.

Samstag, Januar 12, 2008

Simpsons: Der Film

Also was soll man hierzu eigentlich noch groß schreiben? Quasi eine extralange Simpsons-Folge mit so ziemlich allem, was man erwartet. Qualitätsmäßig oberer Durchschnitt mit einigen wirklichen Treffern, aber auch reichlichen Rohrkrepierern. Was mich persönlich genervt hat waren die pseudo-anzüglichen Zotereien, die für mich nicht wirklich zu den Simpsons gehören, sondern eher auf die American-Pie-Kundschaft abzielen.

7 von 10 Punkte

Montag, Januar 07, 2008

Samstag, Januar 05, 2008

Neu und verbessert Teil 1



...und am Montag geht's weiter.

Donnerstag, Dezember 20, 2007

Privatversichert kicks ass!

Und ich dachte immer, das seien alles nur Gerüchte... bis ich das Funkeln in den Augen meiner Hautärztin gesehen habe, als sie festgestellt hat, dass ich Privatpatient bin.

"Machen wir doch zur Sicherheit noch einen Allergietest".

Ergebnis negativ, "die Rötung kommt dann wohl vom Stress, tragen Sie dies und jenes täglich auf, danke für Ihren Besuch". 10 Minuten Untersuchung plus Small-Talk und ne halbe Stunde Allergietest durch eine Sprechstundenhilfe.

Heute die Rechnung bekommen. 580 Euro.

Jesus Christus.

Samstag, Dezember 15, 2007

American Splendor

Filmische Biographie über Harvey Pekar, einen knarzig-depressiven US-amerikanischen Underground-Comic-Schreiber.

Hübscher kleiner Understatement-Film ohne große Böllerschläge, mit Herzblut gespielt und geschickt in Szene gesetzt. Einfach sympathisch.

7 von 10 Punkte.

Sonntag, Dezember 09, 2007

Tanz der Vampire

Alte Filme werden oft zu Klassikern. Casablanca zum Beispiel. Andere Filme sind einfach alte Filme die nicht viel taugen und das auch offen zugeben. Willow zum Beispiel. Aber wirklich schlimm sind Filme, die nix können, aber von vielen Leuten als "Kult" gehandelt werden. Top Gun. Dirty Dancing. Oder eben auch Tanz der Vampire.

1 Punkt für den depperten alten Vampirjäger. 1 Punkt für vereinzelte Lacher. Macht zwei Punkte für einen Film, der sich definitiv überlebt hat.
Muss man nicht gesehen haben. Wirklich nicht.

2 von 10 Punkte.

Irvine Welsh, Rattlesnakes

Ah, endlich mal wieder Kurzgeschichten von Herrn Welsh. Die Sammlung nennt sich "If you liked school, you'll love work" und geht mit "Rattlesnakes" schon mal ganz nett los.

Klapperschlange beißt. Und was ist wohl die bescheuertste Stelle, wo man von einer Schlange gebissen werden kann, so mit Schnitte reinmachen und Gift raussagen? Bingo.
Also wieder mehr der alte Welsh, nachdem er mit "The bedroom secrets of the master chefs" ja schon arg zahm geworden ist. Mal schaun was der Rest so bietet, "Rattlesnakes" ist auf jeden Fall solide Welsh-Kost ohne große Überraschungen oder gar Anspruch. Weit weg vom schonunglosen Welsh zu "Filth"-Zeiten, aber nett lesbar.

6 von 10 Punkte.

Donnerstag, Dezember 06, 2007

Cormac McCarthy: The Road

Ein international mit Lorbeeren überschütteter Schriftsteller. Ein viel gerühmtes Buch. Was kann da schon schiefgehen?

Eigentlich nur ein fataler Fall von Autor-Leser-Inkompatibilität. Bäng.

Das Leben im postapokalyptischen Amerika ist also Kacke, ok. Sehr schön auch in den Leser gehämmert durch die enorm reduzierte Sprache des Autors. Nur entzieht sich mir leider, welchen Genuss es mir bereiten soll, auf beinahe der kompletten Länge des Buches das Leiden von Vater und Sohn auf drastische Weise geschildert zu bekommen? Klar, die "schönen" Momente des Buchs und die immer wieder aufblitzenden Akte der Menschenliebe durch den Jungen stellen so einen deutlichen Kontrast in dieser trostlosen Welt dar. Großes Kino. Und so fucking innovativ.

Mag sein dass ich einfach nicht in der Stimmung war für depressive Beschreibungen von zwei Überlebenden in einer hoffnungslosen Welt. Vielleicht muss man auch einfach älter sein, um das Buch richtig schätzen zu können. Oder Literaturprofessor.

4 von 10 Punkte

Montag, Dezember 03, 2007

Altlasten

Sommernachtstrauma

Nach einer langen Nacht
(es hat tierisch geschäumt)
hat es "Bumm" gemacht:
Ich hab von Schiller geträumt.
In seiner Stadt im Orient
erschien er mir im Unterhemd
und lallte tierisch laut;
Im Traum, da trat er an mein Bett
und ich, ich bat ihn auch noch nett
dasselbe zu unterlassen;
Dann pfiff er eine Melodei
es war das Lied vom weißen Hai
und da ist's klar geworden:
kein Traum, nein, bittre Wirklichkeit!
Auch war's kein Dichter, blitzgescheit.
Nein, mit ner leeren Dose
stand der besoffene Hose


(Relikte unserer Weimar-Fahrt mit dem Deutsch-LK)

Samstag, Dezember 01, 2007

Hulk

Ja ficken. Da holt man sich zwei HD-DVDs mit Superheldenverfilmungen, und nach dem grottigen Superman Returns (siehe unten) schießt der abgrundtiefe Hulk echt den Vogel ab.

Mal im Ernst, wer sich tatsächlich mehr als ne Stunde durch die ätzende Melange aus nervenden weil selbstverliebten Blendeneffekten, hölzernen Schauspielern, tonnenweise stumpfem Gelabere und depperten Actionsequenzen quälen kann zahlt auch gern mal nen Hunni für SM-Spiele bei der Domina. Also nicht dass ich das verurteilen würde, und das Geld ist sicher auch besser angelegt als bei dem Film hier.

Himmel hilf. 2 von 10 Punkte.

Samstag, November 17, 2007

Superman Returns

Himmel Arsch, was kann ich mich über solche Filme aufregen. Mordsmäßige Posen umgeben von Special Effects zum Säue füttern gepaart mit unabgebrachtem Größenwahn und absoluter Ideenlosigkeit.
Und das alles in HD. Grandios.
Die mit Abstand schlechteste der modernen Comic-Neuauflagen. Und das beinhaltet X-Men.

3 von 10 Punkte.

Donnerstag, November 08, 2007

WG-PARTY!

Die jugendfreien Bilder der letzten WG-Frauke-Geburtstags-Party (die leider relativ unspektakulär sind) findet Ihr im StudiVZ. Die sind's echt nicht wert, hier hochgeladen zu werden.

Aber wer weiß, vielleicht rückt ja noch jemand der anderen bei der Party Anwesenden mit Bildern raus.

jäähyväiset

Auf vielfachen Wunsch (OK, eigentlich nur eine Person, aber trotzdem) hier meine allererste Kurzgeschichte. Anlass war ein Wettbewerb der weiterführenden Schulen Münchens mit dem Thema "Zunkunft". Entstanden laut Fußnote "am 27.12.99 mit musikalischer Untermalung von The 69 Eyes".



jäähyväiset

"Deine neue Wohnung gefällt mir, Junge."

Nur eine weitere Lüge an einem weiteren Tag. Ich habe meinen Sohn schon so oft belogen, dass dieses eine Mal auch nichts mehr ausmachen dürfte. Doch heute, bei unserem letzten Treffen, hätte es doch irgendwie auch ohne Lügen gehen müssen. Andererseits ist der Mensch aber auch ein Gewohnheitstier, nicht wahr? Ich verfluche mich innerlich als dummen, alten Mann und setze ein freundliches Lächeln auf.

"Freut mich, dass sie dir gefällt, Dad. Limone 8 ist einfach DIE Modefarbe schlechthin dieses Quartal. Aber sag schon, warum wolltest du mich unbedingt treffen? Ich weiß, ich weiß, Ihr alten Leute mögt keine Coms, aber du müsstest genauso wissen, dass meine Generation keinen großen Wert auf diese...diese 'persönlichen Gespräche' legt. Aber weil du es bist, und weil du bald deinen 195. Geburtstag feierst...Ach ja, diese Reise, die du dir gewünscht hast; muss es denn unbedingt Finnland sein? Die Leute könnten auf falsche Gedanken kommen."

Finnland. Landläufig bekannt als der Ort, an den alte Leute gehen, um nicht mehr zurückzukommen. Karge Landschaften, frostiges Wetter, und vor allem: Stille. Das einzige, was diese gottgegebene Stille gelegentlich durchbricht, ist der trockene Knall einer Schrotflinte; ein Geräusch des Abschieds in einem Land des Abschieds.
"Natürlich nicht. Ich habe mein Ticket nach Bangladesh sogar schon in der Tasche. Ich fliege heute Nachmittag los."

"Dann ist ja alles gut; es ist nur, die Leute, du weißt ja. Bangladesh ist ja auch schön um diese Jahreszeit; nicht, dass ich schon mal da gewesen wïäre, aber ich war bei einer hervorragenden virtuellen Tour dabei. Spart Zeit, und außerdem erspart es einem die unangenehmen Dinge. An- und Abreise, Gerüche, du weißt schon..."

Mein Sohn. Ein typischer '68er eben. Nun, 2068. Die sogenannte 'Generation XXL'. Erst glücklich, wenn sich ein Computer zwischen ihnen und der Welt befindet. Die Generation, die innerhalb von 25 Jahren die damalige Welt der Wissenschaft auf den Kopf gestellt, um ihre eigene Achse gewirbelt und dann zum Sondermüll gegeben hat.
"Vielleicht gibt es auch Menschen, die ihre Reise komplett haben wollen, real, verstehst du, mit allen Widrigkeiten. Und außerdem graust es mir davor, mein Gehirn an einen Computer anzuschließen. Aber das kannst du ja wohl nicht verstehen."

"Nein, das kann ich wirklich nicht. Du solltest aufhören, dich gegen den Fortschritt zu stemmen. Ihr rückständigen Technophobiker macht mich noch ganz krank!"

Nicht sehr wahrscheinlich. Und sollte es doch irgendeinem gewieften Erreger gelingen, sein gestähltes Immunsystem zu durchbrechen, so würde er durch eine sofortige Ausschüttung von Antikörpern in Sekundenschnelle ausgelöscht werden. Schöne, neue Welt!

"Du nennst es Technophobie, ich nenne es gesundes Misstrauen. Was war denn los am 1.Januar 2001? Als die gesammelte Expertenriege sich bereits selbstzufrieden zurückgelehnt hat, sicher, die Bedrohung der Doppelnull abgewandt zu haben?"

"Ach, du reitest schon wieder auf der Vergangenheit herum. Und außerdem hat die Menschheit es überstanden, nicht wahr? Weißt du, was? Du bist einfach nur sauer, weil du vor 20 Jahren deinen Job an einen Computer, wie du sie so drollig nennst, verloren hast. Deinen unnötigen, langweiligen Job! Seitdem hast du sowieso ein viel schöneres Leben gefïührt; auf meine Kosten, wie ich wohl erwähnen darf."

Mein Job. 2147 wurde 'Prometeus V1.0' in Betrieb genommen, und 2150 habe ich an 'Prometeus V1.48' meinen Job verloren. Es mag vielleicht wirklich unnötig gewesen sein, dass der Vater des Leiters des Konzerns AntiKronos im Alter von 175 Jahren noch arbeitet; nicht wegen des Alters, das wirklich nicht, aber ich hätte es einfach nicht mehr nötig gehabt. Aber ich habe meinen Beruf geliebt! Und keiner von uns Übersetzern hätte damals gedacht, dass eine Maschine unsere Aufgabe besser, schneller und billiger erledigen könnte... Aber nicht nur uns Übersetzer hat es erwischt: Wer lässt heutzutage noch einen menschlichen Chirurgen an seine Haut? Roboter zittern nicht. Profisportler? Computersimulationen werden nicht müde. Lehrer? Computer irren sich nicht. Und so weiter.

Seit ungefähr 15 Jahren leite ich jetzt schon eine Tochtergesellschaft von AntiKronos, LiteraInc. Meine Firma, die mir mein Sohn aus Steuergründen überschrieben hat, entwickelt LiteraComs, Wundermaschinen, die über 15.000 der wertvollsten Schriftsteller aller Zeiten gespeichert und verinnerlicht haben, von Plato über Welsh, von D.C. Schaller über Goethe und wie sie alle heißen...Man muss nur noch vier oder fünf Themen eingeben, wie zum Beispiel 'Liebe, Trauer, Emus, schlechtes Wetter', und nach einer kurzen Bearbeitungszeit erhält man eine Geschichte, wie sie die 15.000 in Kooperation nicht besser hinbekommen hätten; in diesem Fall eine traurige Liebesgeschichte im verregneten NeuLondon (was mit AltLondon passiert ist? Das war doch wohl abzusehen, oder?), in die auf höchst grandiose Weise ein paar Emus eingestrickt werden. Ich persönlich hasse diese Kästen.

"Auf deine Kosten? Immerhin bin ich eines der Aushängeschilder eurer Wunderdroge! 'Ich bin 195 Jahre alt, aber ich fühle mich fit wie an meinem 18. Geburtstag!' Hah!"

"Ist es vielleicht nicht so? Ich kann dir sogar nachweisen, dass das so ist! Dein Körper ist auf dem Stand eines 25-Jährigen. Eines überaus gesunden 25-Jährigen, wenn ich das hinzufügen darf."

"Mein Körper, mein Körper! Und der Rest ist euch wohl egal?"

"Komm mir bloß nicht auf die Tour! Forschungen haben bewiesen, dass der Geist im Laufe der Zeit sogar noch aufnahmefähiger wird!"

"Körper und Geist funktionieren also perfekt. Und das genügt euch."

Kein Wunder, dass die Forschung an diesem Punkt stockt. Zugegeben, die Droge macht faktisch unsterblich. Kein Rezipient ist bisher an natürlichen Ursachen gestorben. Und doch ist keiner viel älter geworden als ich. Vielleicht muss man erst einmal in mein Alter kommen, um den Grund dafür zu sehen. Es ist nämlich ganz simpel.

"Körper und Geist. Was fehlt deiner Meinung nach noch?"

Ich blicke meinem Sohn ein letztes Mal in die Augen. Braune Augen, genau wie seine Mutter damals. Doch statt ihrer warmen Intelligenz sehe ich nur kalten Wissensdurst.

"Der Sinn."

Ich stecke meine Hände in meine Jackentasche und drehe mich um. Wortlos schließe ich die Tür hinter mir. Das Ticket in meiner rechten Tasche erinnert mich daran, dass ich noch einen warmen Mantel kaufen muss. Finnland ist sehr kühl um diese Jahreszeit.

Dienstag, November 06, 2007

Der Regenmacher

Ja, ich bin schuld dran, dass es derzeit regnet. Ich habe über Nacht mein Dachfenster im Auto offengelassen.

Gah.

Montag, November 05, 2007

Christopher Moore: Lamb

Nach rund siebentausend Empfehlungen habe ich es mir jetzt dann doch mal gegönnt: Das legendäre "Lamb" von C. Moore (im Deutschen "Die Bibel nach Biff").

Die Idee an sich ist phantastisch: 2.000 Jahre nach dem Tod Jesu wird sein engster Freund (der in der Bibel verschwiegen wird, weil er so peinlich war) wiedererweckt und soll ein neues Kapitel der Bibel schreiben, in dem er über die frühen Jahre des Heilands berichtet.

Soweit, so gut. Und Moore macht seine Sache zum Großteil auch wirklich solide bis sehr gut; leider scheitert er oft daran, dass er zwar ganz sicher ein ideenreicher Kerl und ein echt lustiger Typ ist, aber ganz sicher kein Erzähler. Und so gehen gute Ideen mitunter zwischen plumpen Zoten oder ganz einfach in schlechtem und zähen Stil unter.
Immerhin traut er sich, ein bissl schonungsloser als der liebe brave Herr Pratchett zu sein, der seine Zähne schon lang gegen einen Opa-Schaukelstuhl eingetauscht hat. Auch wenn der zugegeben einen Tick besser schreiben kann.

7 von 10 Punkte. Durchaus lesenswert, aber bitte kein Meisterwerk erwarten.